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V. Tä­tig­keits­be­richt des Lan­des­be­auf­trag­ten für die Informations­freiheit Sachsen-​Anhalt vom 1. Ok­to­ber 2016 bis 30. Sep­tem­ber 2018

3.4 Das Ge­richt der Eu­ro­päi­schen Union zum Zu­gang zu Glyphosat-​Gutachten

In zwei be­mer­kens­wer­ten Ur­tei­len hat das dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof nach­ge­ord­ne­te Ge­richt der Eu­ro­päi­schen Union (EuG) Ent­schei­dun­gen der EU-​Lebensmittelbehörde, mit denen der Zu­gang zu Stu­di­en über die To­xi­zi­tät und die krebs­er­re­gen­de Wir­kung des Wirk­stoffs Gly­pho­sat ver­wei­gert wurde, für nich­tig er­klärt. Die Stu­di­en müs­sen nun her­aus­ge­ge­ben wer­den.
 
In bei­den Ver­fah­ren hat­ten die An­trag­stel­ler bei der Be­hör­de nach der sog. EU-​Transparenzverordnung sowie nach der sog. Aarhus-​Verordnung (Ver­ord­nung EG Nr. 1367/2006) einen An­trag auf Zu­gang zu den Schlüs­sel­stu­di­en über die To­xi­zi­tät von Gly­pho­sat ge­stellt. Die eu­ro­päi­sche Le­bens­mit­tel­be­hör­de hatte beide An­trä­ge mit der Be­grün­dung ab­ge­lehnt, dass die Ver­öf­fent­li­chung der Stu­di­en die Geschäfts-​ und Fi­nanz­in­ter­es­sen der Her­stel­ler ge­fähr­den wür­den. Die­ser Rechts­auf­fas­sung ist das Ge­richt je­doch nicht ge­folgt. Es ist viel­mehr zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass das In­ter­es­se der Öf­fent­lich­keit am Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen über Emis­sio­nen in die Um­welt ge­ra­de darin be­stehe, nicht nur zu wis­sen, was in die Um­welt frei­ge­setzt oder ab­seh­bar frei­ge­setzt wer­den wird, son­dern auch zu ver­ste­hen, in wel­cher Weise die Um­welt durch die frag­li­chen Emis­sio­nen be­ein­träch­tigt werde (EuG, Ur­tei­le vom 7. März 2019, Az.: T-716/14 und T-329/17). Für die Ver­brei­tung der Stu­di­en gelte daher die Ver­mu­tung eines über­wie­gen­den öf­fent­li­chen In­ter­es­ses.